Ich behaupte zwar immer ich wär nicht ehrgeizig, aber heute hab ichs ihnen gezeigt, den Alten, Schwachen und Frauen. Genauer gesagt hab ich jeweils ein gepäckloses Exemplar davon abgehängt, auf dem Weg hinauf zum Albulapass. Kranke sollen ja nicht Radfahren, sonst wär so einer bestimmt auch dabei gewesen. Das ist eine Premiere, denn bisher hat jeder noch so alte Klappergreis, der es mit mir aufgenommen hat, gewonnen. Der heutige Klappergreis, den ich vor ein paar hundert Metern überholt habe zieht auf den letzten Metern nochmal an. Als er auf meiner Höhe ist, frage ich ob wir ein Rennen machen würden (das Passschild ist ca. 50m entfernt). "Nein, nein" spricht es, strampelt aber eifrig zu. Ehrgeizig bis in die dauerhaft Horizontale. Aber heute ist nicht sein Tag.
Auf der Brillenausfahrt an Tag 2 hat mich mein Wirt gefragt ob ich denn überhaupt Zeit hätte die Landschaft anzuschauen. Na klar! Mehr Zeit hat man sonst kaum. Ich kann ja aus Gründen der Renntaktik (und des Ballasts) nicht wirklich Gas geben und anders als beim Wandern liegen kaum Hindernisse im Weg. Also schaue ich mich ausgiebig um, sehe unendlich viele Blumen am Straßenrand, die in ihrer Vielfalt nur Konkurrenz durch die Alpkäse-Schilder bekommen, die hinter jeder Biegung lauern.
Es bleibt auch Zeit die Wanderer zu beobachten. Ein Kind das lustig mit den Fuß am Elektrokuhzaun hängen bleibt und auf die Straße purzelt, alte Pärchen die sich beim Überqueren der Straße an die Hände nehmen und natürlich Radfahrer die alberne Selfies vor Passschildern machen.

Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen