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Freitag, 25. Juli 2014

3 Pässe - ganz unterschiedlich aber alle spannend

Auf dem Panorama vom Furkapass (2 von 3) sieht man rechts von der Mitte ganz hinten die Abfahrt vom Grimselpass und weiter vorn die Auffahrt auf den Furkapass. Phänomenal. Die Auffahrt zum Grimselpass ist einfach spannend, durch eine wilde Berglandschaft, mit unglaublichen Platten, Gipfeln und Graten, die zum Bleiben einladen. Die Abfahrt vom Grimselpass und Auffahrt zum Furkapass haben hingegen etwas ganz anderes zu bieten: meine alte Freundin, die Haarnadelkurve. Sie schenkt einem eine kostenfreie Panoramarunde und Zeit zum Luftholen. Und heute gab es jede Menge davon. Zuletzt allerdings in der Abfahrt auf Tremola-Straße, der alten Straße, die vom Gotthard-Pass nach Airolo führt und dem gemeinen Rennradfahrer ein unerwartetes Erlebnis in Form von Kopfsteinpflasterpassagen bietet. Das ist weniger unangenehm als erwartet, sondern eigentlich eher schön. Und ich war vorgewarnt: der miesepetrige Moppedfahrer von der zweiten Übernachtung hatte mir davon erzählt und so wusste ich in etwa, was mich erwartet. Und hab es mir, wie so oft, viel wilder vorgestellt.

Am verbauten und mit Würstchenbuden verstellten Gotthardpass habe mich schließlich also doch für die weniger befahrene Rüttelvariante entschieden und wurde mit extrem wenig Verkehr und einfach mal etwas Abwechslung belohnt. Für jeden ernsthaften Rennradfahrer wäre das bestimmte die größte Freude, hinabsausen, jede Menge Kurven. Gut, nicht jeder Rennradfahrer liebt Kopfsteinpflaster, aber irgendwie scheint diese Straße trotzdem ein Muss zu sein. Ich hingegen bremse vorallem und freue mich etwas später dann so richtig über die etwa 40km flache Abfahrt von Airolo raus nach Bellinzona. Mit etwa 1-3% Gefälle und wenig Kurven kann auch ich das Rad laufen lassen und schieße meiner ungewöhnlichen Unterkunft entgegen. Strohlager auf einem schön unkompliziert alternativen Hof. Leider sind die Geschäfte seit 18Uhr geschlossen und meine Vorräte schon längst verspiesen, so dass ich mich freue, dass die nach mir eintreffende Familie mir ein Sandwich und einen Apfel schenkt und ich nicht nochmal los muss. Pasta oder Pizza hole ich mir dann lieber ohne Umweg morgen, denn nun ists seit dem Gotthardpass richtig italienisch. Die Häuser, die Sprache, die warme Luft, die Menschen die einen wieder anschauen, die vereinzelten Palmen und der Sommerurlaubsgeruch.

3 von 3 - der unschöne Gotthardpass

12km Holpertrasse bergab oder autobahnartige Schnellstraße? Kann mich gerade nicht entscheiden. Die Wolken vor mir sind auf jedenfall ziemlich dunkel und sehen nach Regen aus. Und bis Bellinzona ists noch ein ganzes Eck.

2 von 3 - Furkapass

1 von 3 - Grimselpass

Freitag, Tag 4: Innertkirchen mit Ziel Bellinzona (129km/2674Hm)

Jetzt gibt es endlich das zweite Frühstück, und das auch noch mit Aussicht. Super Wetter heute. Hoffe es hält.
Blick nach vorn und hinten. Idyll und Motorradfahrerparadies.

Majestätisches Berner Oberland

Donnerstag, Tag 3: Unterschächen - Innertkirchen (98km/2057Hm)

Mein Tag auf dem Rad fing heut unglaublich spät an. Weil es vor der Haustür so widerlich war. Und ich wollte einfach nicht sofort wieder triefend nasse Füße haben. Das find ich ein furchtbares Gefühl.

Die zwei Motorradfahrer in meiner Herberge saßen ganz miesepetrig herum, dabei hatte mir einer von Ihnen noch erzählt sie würden täglich 400km machen. Da könnte man doch meinen man könnte den Regenwolken entkommen. Aber ich hab größtes Verständnis für die negativen Vibes, die die beiden ausstrahlen. Der eine macht seit 15 Jahren jährlich Motorradurlaub in den Alpen. Da wär ich auch nicht mehr zum Spaß(en aufgelegt).

Die Wolken waren nach ca. 100 Höhenmetern abrollen über mir und der Regen endete, als ich nass im Tal stand. Die Schuhe trocknen sowieso nicht mehr über Nacht oder tags sondern bleiben durchgehend nass. Wie damals beim letzten Versuch... bald hab ich Schwimmhäute. Sehr schön, das wird mir auf Mallorca sehr nützlich sein beim Wasserpart.

Die Strecke ist erstmal unspektakulär, und wird dann immer interessanter. Tief eingeschnittene sattgrüne Täler, mit Häuschen wie aus dem Modelleisenbahnbaufachhandel. Vieles sieht hier so aus als sei die Zeit stehengeblieben und das ist nicht unbedingt immer nur positiv zu verstehen. Geradezu beängstigend spießig wirkt die eine oder andere Szene. Ab dem Abzweig zum Sustenpass ändert sich die Landschaft schnell hin zu einem wunderschönen, breiten, offenen Tal, das auf Gletscher und Berge zuläuft. Und auf den Pass über den ich heute fahren will.

Zwischendurch nutze ich die Sonne und trockne mich und meine Sachen am Straßenrand. Die Sonne bleibt aber leider nicht lang, und es türmen sich rundherum bedrohliche Gewitterwolken auf, während ich durch die MAJESTÄTISCHE Landschaft hinter dem Sustenpass abfahre. Selten hat dieses Wort so gut gepasst wie hierher. Die Landschaft ist so unwirklich wild und schön, dass ich an jeder zweiten Kehre anhalten und fotografieren muss. Entsprechend lang brauche ich für die heute kurze Strecke und stehe bei einsetzendem Platzregen und einem Donnerschlag in Innertkirchen. Die Pläne werden verkürzt, ich will nicht schon wieder durchweichen und bleibe in der nächsten Absteige die sich mir online anbietet. Praktisch. Wenn auch nicht schön.

Donnerstag, 24. Juli 2014

Yeah...

Ob man sich so hier wohl beliebt macht, im Kanton Uri???

Hier weiß man ja nicht...

Gestern war es einfach verdammt spät als ich vor meinem letzten Aufschwung stand. Dem Klausenpass mit 1200Hm auf 21km. Nicht so steil aber laaaaaang. Ich bekomme einen Schrecken als ich die ersten Meter sehe: die Straße ist gepflastert. Total hoppelig, es rüttelt und schüttelt mich und das Rad von Kopf bis Mantel durch.


In einem Land mit solchen Straßenschildern....
... muss man auf alles gefasst sein.

Aber wider Erwarten beginnt nach der nächsten Biegung der Asphalt.

Und so stehe ich um 21Uhr oben.
Und nur noch knapp 10Kilometer bergab rollen und kurz vor Dunkelheit stehe ich vor meiner tatsächlich urigen Unterkunft.

Und heute ist grauenhaftes Wetter und ich drücke mich davor loszustarten. Aber jetzt ists dann so weit. Ab in Nebel und Regen und erstmal 800Hm abrollen und dann auf zum nächsten Pass.

Unterwegs an Tag 2

Mittwoch, Tag 2: Damüls - Unterschächen (158km/2508Hm)

Als ich morgens losstarte muss ich laut Höhenprofil erstmal bergab. Aber meine Wirtsfamilie ruft mir hinterher dass ich in die andere Richtung muss... bergauf. Da ist doch der Wurm drin. Falsches Höhenprofil. Statt wie gedacht 100km stehen heute 160km auf dem Programm. Nichts wie los. Durch die Brillenaktion ist es 9:30Uhr als ich starte. Und das Wetter ist ganz anders als am Vortag.

Brille und viele Kilometer

6.40Uhr Frühstück, extra früh für mich damit ich nicht leer ausgehe. Dann setzt sich der Herr des Hauses mit mir ins Auto und braust die etwa 40km kurvenreiche Straße zurück bis zu meinem Rastplatz. Und: da liegt sie so wie ich sie zurückgelassen habe. Die Uvex-Brille, die laut Aussage meines Wirtes im Industriebedarffachhandel 20Euro im Zehnerpack kostet. Hilft aber nichts, ohne Brille gehts nicht, so eine Fliege mit 50kmh ins Auge macht keine Freude, und so schnell kommt keine neue Brille her. Und wenn dann leider auch nicht für 2Euro.

Die Wirtsfamilie ist einfach extrem nett. Statt wie das angefragte Taxi 150EUR für die Fahrt zu wollen sind sie ganz im Gegenteil schwer zu überzeugen mehr als das Trinkgeld anzunehmen. Und dabei können sie an meiner Übernachtung im geräumigen Zimmer mit gutem Frühstück und mir mit meinen zig Extrawünschen wirklich nicht viel verdient haben. Das Schönste aber ist, dass durch die fast zweistündige Autofahrt Zeit für ein richtig interessantes Gespräch entsteht. Da hat meine Schusseligkeit also fast was Gutes. Bei dieser netten Familie würde man gern länger bleiben. Aber es hilft nichts, die Sonne scheint und ich muss weiter.

Schnell sind die Sachen verstaut. Was viel aussieht ist passt mit viel Luft in die zwei Packtaschen. Gut so, denn den Platz brauche ich für jede Menge Kalorien. Man kann sich nicht vorstellen wie viel ich esse. Erst zweiter Tag und der große Hunger hat es sich in mir gemütlich gemacht. Schon nach 5km habe ich das Gefühl gleich einen Hungerast zu bekommen. Also gibts den ersten Riegel auf dem Furkajoch... und danach im Tagesverlauf 4 Gebäckstücke, 4 Pick-Ups, Studentenfutter, Suppe, Speckteller und 2 Brotscheiben. Und leider viel zu wenig zu trinken. Bin dauerdehydriert.

Mittwoch, 23. Juli 2014

Noch kein Feierabend in Sicht

Linthal
http://goo.gl/maps/cospb
oder km 125

Montag, Tag 1: Imst - Damüls (124km/3078Hm)

Imst begrüßt mich mit leichtem Nieselregen, aber so sanft, dass er schneller abtrocknet als er fällt. Nach ein paar Metern einrollen geht es schon bergauf und ab von der Hauptstraße hoch zum Hahntennjoch. Kaum Verkehr, schöne Gegend, sanftes Nieseln und die ersten Erinnerungen, wie sich so ein beladenes Rennrad bergauf fährt. Sitzen endet bei 9% Steigung, ab 12% wirds eher ungemütlich. Die Abfahrt vom Hahntennjoch ist kalt und ungemütlich, zumal die Straßen etwas nass sind und ich mangels Gewöhnung ans Rennrad allgemein und das beladene Rennrad insbesondere wie auf rohen Eiern hinabkrieche. Ein kleiner Abzweig nach Gramais zeigt ein schönes Seitental, aber leider zieht der Himmel zunehmend auch in den tieferen Lagen zu. Mit dichten Regenwolken. Bei der Abfahrt geht der Nieselregen in Regen über und es wird bitterkalt. Kurz darauf geht der Regen in Schütten über und dieser Zustand hält sich konstant bis zum Ende des Tages. Für mich ist das Ende aber noch lang nicht in Sicht. Über Warth, Hochtannbergpass und Schröcken muss ich noch Richtung Furkajoch hinauf nach Damüls, wo meine erste Unterkunft auf mich wartet. Ich habe meine späte Ankunft angekündigt und muss nun nur zusehen, dass ich rechtzeitig in Warth bin, denn ab 18.15Uhr ist die Straße dorthin wegen Instandsetzungsarbeiten gesperrt. Vor dem Anstieg nach Warth nutze ich einen überdachten Holzlagerplatz als Raststelle, verschlinge ein paar Riegel und lasse meine Sonnenbrille liegen. Was mir kurz vor Warth auffällt, als ich mich wundere, warum der Regen eigentlich plötzlich so hartnäckig meine Sicht behindert. Nun stellt sich die Frage, zurück und auf der falschen Seite der Straßensperre festsitzen oder Brille aufgeben. Nasskaltmüde fällt die Entscheidung natürlich zugunsten Wärme und Nahrung. Zur Motivation wird der iPod angeschlossen und so gehts mit zum Abschluss nochmal herrlichen 11% zu meiner ersten Unterkunft. Und dort wartet nicht nur eine heiße Dusche sondern trotz der späten Stunde bekomme ich auch noch ein wunderbares warmes Abendessen. Und die Aussicht, dass mir am nächsten Morgen bei der Brillenrettungsaktion geholfen wird.

Geschafft: Anreise nach Imst

Der Schaffner war so sauer, dass er mich den Rest der Bahnfahrt ignoriert hat, nicht mal mein Ticket hat er sehen wollen. Und entsprechend fuhr das Streitrad kostenfrei mit. Als ich mich im Innsbruck bedankt habe, ist der arme Mensch gleich wieder hochgegangen. "Sie machen bestimmt immer was Sie wollen!!!" So habe ich dann doch aufs Abschiedsfoto verzichtet. Ihm war einfach nicht zu helfen. Unproblematisch gings von dort mit dem fahrradfreundlichen Regionalexpress zum Startpunkt.


Dienstag, 22. Juli 2014

Wow! Was für ein Start.

Innerhalb der ersten 20 Reiseminuten erreiche ich den vermutlich höchsten Pulsschlag der nächsten zwei Wochen. Es gibt im Zug nach Imst nur 2 Fahrradplätze, und die muss man reservieren. Was einem die Bahn bei der Online-Buchung weder mitteilt noch anbietet. Der Schaffner verbietet mir hingegen äußerst aufgebracht mit dem Rad einzusteigen. Kurz nach Anfahrt des Zuges sehe ich mich also mit einem eskalierenden Bahnbeamten konfrontiert, der mir mit rollenden Augen, vor Ärger zitternden Händen und laut krakeelend androht mich mit Hilfe der Polizei aus dem Zug zu befördern. Der arme Kerl behauptet ich würde ihn nicht ernst nehmen. Dann ist er einfach gegangen und bislang nicht zurückgekommen. Ich hab mein Rad jetzt mal ganz unauffällig versteckt.