Mein Tag auf dem Rad fing heut unglaublich spät an. Weil es vor der Haustür so widerlich war. Und ich wollte einfach nicht sofort wieder triefend nasse Füße haben. Das find ich ein furchtbares Gefühl.
Die zwei Motorradfahrer in meiner Herberge saßen ganz miesepetrig herum, dabei hatte mir einer von Ihnen noch erzählt sie würden täglich 400km machen. Da könnte man doch meinen man könnte den Regenwolken entkommen. Aber ich hab größtes Verständnis für die negativen Vibes, die die beiden ausstrahlen. Der eine macht seit 15 Jahren jährlich Motorradurlaub in den Alpen. Da wär ich auch nicht mehr zum Spaß(en aufgelegt).
Die Wolken waren nach ca. 100 Höhenmetern abrollen über mir und der Regen endete, als ich nass im Tal stand. Die Schuhe trocknen sowieso nicht mehr über Nacht oder tags sondern bleiben durchgehend nass. Wie damals beim letzten Versuch... bald hab ich Schwimmhäute. Sehr schön, das wird mir auf Mallorca sehr nützlich sein beim Wasserpart.
Die Strecke ist erstmal unspektakulär, und wird dann immer interessanter. Tief eingeschnittene sattgrüne Täler, mit Häuschen wie aus dem Modelleisenbahnbaufachhandel. Vieles sieht hier so aus als sei die Zeit stehengeblieben und das ist nicht unbedingt immer nur positiv zu verstehen. Geradezu beängstigend spießig wirkt die eine oder andere Szene. Ab dem Abzweig zum Sustenpass ändert sich die Landschaft schnell hin zu einem wunderschönen, breiten, offenen Tal, das auf Gletscher und Berge zuläuft. Und auf den Pass über den ich heute fahren will.
Zwischendurch nutze ich die Sonne und trockne mich und meine Sachen am Straßenrand. Die Sonne bleibt aber leider nicht lang, und es türmen sich rundherum bedrohliche Gewitterwolken auf, während ich durch die MAJESTÄTISCHE Landschaft hinter dem Sustenpass abfahre. Selten hat dieses Wort so gut gepasst wie hierher. Die Landschaft ist so unwirklich wild und schön, dass ich an jeder zweiten Kehre anhalten und fotografieren muss. Entsprechend lang brauche ich für die heute kurze Strecke und stehe bei einsetzendem Platzregen und einem Donnerschlag in Innertkirchen. Die Pläne werden verkürzt, ich will nicht schon wieder durchweichen und bleibe in der nächsten Absteige die sich mir online anbietet. Praktisch. Wenn auch nicht schön.











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