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Dienstag, 5. August 2014

Montag, Tag 14: Pfelders - Garmisch (162,59km/2451Hm)

Der letzte Tag war nochmal ganz wunderbar. Kein Tropfen Regen, Sonne, super Blicke und die Aussicht heimzukommen. Letztes Doping mit Cola und Schokogebäck vorm Timmelsjoch, mit ordentlich Gegenwind aus dem Ötztal, mit Windschattenspendern nach Telfs, in unglaublicher Hitze hoch nach Leutasch und in größter Eile über Mittenwald nach Garmisch. Für 19 Uhr war ich verabredet, um 18.55 Uhr war ich dort. Wunderbar. Einen besseren Abschluss hätte es nicht geben können.

Montag, 4. August 2014

Sonntag, Tag 13: Astfeld - Pfelders (99,68km/3288Hm)

Gestern war es mal wieder durchwachsen, aber nicht allzu unangenehm. Zwar hat es mich auf der Abfahrt vom Jaufenpass voll erwischt, Regenguss vom Feinsten, so dass ich garnichts mehr gesehen habe, aber danach kam die Sonne wieder zwischen den weiterhin riesigen Wolken hervor. Und vorallem: es war nicht kalt.

Meine Unterkunft hatte ich versehentlich nicht auf der Strecke gebucht, sondern 12km ab davon. Mit dem Auto ein Witz, aber wenn dazu kommt, dass sie 600Hm höher liegt, dann ist man eine Weile dorthin unterwegs.

Aber: es hat eigentlich gut gepasst. Die Fahrt hier hoch war nochmal richtig schön, ein eher ruhiges Tal, Abendstimmung, wenig Verkehr, und längere Strecken 10% Steigung.

Somit sind zumindest die 30.000 Hm gestern Abend voll geworden. Kilometermäßig sollten es bis heut Abend ziemlich genau 1.500 km werden. Deshalb muss ich mich jetzt beeilen. Frühstück verschlingen und übers Timmelsjoch, Leutasch, Mittenwald nach Garmisch.

Sonntag, 3. August 2014

Nass

Jaufenpass erledigt

Drittletzter Pass: Penser Joch

Heute hab ich es endlich mal wieder geschafft nur so viel zu frühstücken wie ich ohne Nachfrühstückskurzschlaf verdauen kann. Deshalb habe ich aber auch nach ca. 1200Hm schon wieder Hunger.

Was Hans Kammerlander hier am Penserjoch will weiß ich nicht. Ich hätte natürlich gern ein Gipfelfoto mit ihm gemacht, aber lass ihn dann doch in Ruhe. Wahrscheinlich freut er sich unter den hier herumwatschelnden Auto- und Motoradtouristen unerkannt zu bleiben.

Jetzt gehts hinab nach Sterzing und dann hoch zum Jaufenpass. Der vorletzte der Runde.

Samstag, 2. August 2014

Samstag, Tag 12: Brez - Astfeld (66km/1359Hm)

Heute hat sich der Kreis geschlossen als ich dort am Abzweig zum Gampenpass ankam, wo ich vor drei Jahren schon in der Gegenrichtung stand. Damals, als ich die auf drei Wochen ausgelegte Runde im Uhrzeigersinn begonnen habe, habe ich mich während der verregneten Auffahrt zum Mendelpass entschieden abzubrechen und über den Gampenpass nach Meran zu fahren und von dort mit dem Zug nach Hause. Heute stehe ich kurze Zeit später wieder unter grau-schwarzen Wolken am Mendelpass. Auf den ersten Abfahrtsmetern öffnen sich die Schleusen und zum hundertsten Mal heißt es die sowieso nicht dichten Regenüberzüge über die Schuhe stülpen um Schlimmstes zu verzögern, Regenshorts, Regenjacke anziehen und ab ins nasse Vergnügen. Es sieht alles ganz genauso aus wie vor drei Jahren, und es kommt mir nicht so vor als wäre seitdem tatsächlich so viel Zeit vergangen. Auch bin ich diesmal deutlich entspannter, weil ich weiß, dass ich diese schöne Radrunde in zwei Tagen abhaken werde. Zwar wieder nicht ganz so wie geplant, aber zumindest war ich endlich mal in der Schweiz und konnte in Ruhe ein paar Täler ansehen und Pässe abknipsen.

Die Fahrt heute ist kurz. Was völlig in Ordnung ist für mich, denn der Regen macht, als ich Bozen durchquere, zwar eine kleine Pause, setzt aber bei der Auffahrt ins unerwartet interessant aussehende Sarntal wieder ein. Nicht schlimm, aber irgendwie ist es doch ein wenig nervig. So wie mir heut überhaupt einiges auf den Keks geht. Autos die zu dicht an mir vorbeifahren und 19 Tunnel in denen es unglaublich laut wird, wenn Autos und Motorräder zeitgleich wie ich hindurchfahren.

Gestern hat mich ein Autofahrer im Tunnel angehupt. Ich weiß nicht ob er eine Vorstellung davon hat, wie laut das ist. Ich glaube es war freundlich gemeint, zumindest sah der mir entgegenkommende Fahrer fröhlich aus und hat gewunken. Oder aber er wusste einfach wie lustig es aussieht wenn ein Fahrradfahrer vor Schreck einen riesigen Satz macht und die Vorfreude auf diesen Anblick stand ihm ins Gesicht geschrieben.

Zwischen den Tunneln auf den ersten Kilometern der Straße ins Sarntal kann man nach den bald endenden Weingärten Blicke auf eine tiefe Schlucht, wilde Felsen und einen regenwaldartigen Bewuchs der steilen Hängen werfen. Es riecht und hört sich auch an wie im Regenwald, Australien oder so, nicht Italien.

Als ich Astfeld erreiche, inzwischen sieht es nicht mehr nach Australien sondern eher nach Österreich aus, geht das Regnen gerade wieder in Schütten über, so dass ich froh bin heute schon wieder so früh am Ziel zu sein. Um spannend zu sein war dieser Tag einfach zu kurz, und um entspannt zu sein war er eindeutig zu nass. Morgen wird besser!

Freitag

Nach einem Tag Sommer ist der Spaß schon wieder vorbei. Frechheit!

Freitag, Tag 11: Naturns - Brez (75km/2149Hm)

Nachdem mein einziger Versuch eines der Seitentäler zu besuchen gestern in der Flucht vorm Gewitter geendet ist, gehts nun nur noch in einer Schleife heim. Heute über den Mendelpass in Richtung Penser Joch, morgen dann Penser Joch und Jaufenpass und Montag übers Timmelsjoch, Ötztal, Leutasch nach Garmisch.

Dann reichts auch.

Ganz bin ich dem Gewitter gestern natürlich nicht mehr entgangen. Um 15 Uhr da erste Donnern, 15 Minuten später ein erster Blitz. Aber alles weit genug entfernt. Gerade so weit dass man sich anstrengt Land zu gewinnen, aber noch keine ernsthaften Bedenken hat erwischt zu werden.

Ich hatte mich schon gewundert wieso ins Nachbartal kein Pass angeschrieben war. Eigentlich hat jeder Hügel einen Namen. Die Karte hatte ich nicht genau in Kopf, aber von etwa 1000Hm ging es wieder hinauf auf ca. 1700Hm. Höchster Punkt dabei: in einem Tunnel. Eigentlich bin ich auf dem Rennrad kein besonderer Tunnelfreund, aber dieser kam mir gerade gelegen. Mit dem Gewitter im Nacken war ich froh im Berg zu verschwinden. Für 1,7km, und dabei ging es erstmal weiter mit ca. 8% bergauf. Ich war also eine Weile unter der Erde.

Als ich am anderen Ende ankam war das erste was begrüßte zwei ziemlich gewaltige Blitze, ziemlich in der Richtung, wo die Straße erstmal hinführte. Ungemütlich. Und natürlich der obligatorische Regen. Der dann aber erstaunlicherweise bald nachließ und eher in ein Tröpfeln überging, weil die Straße im Bogen um einen Berg führte und die Richtung änderte. Ungewöhnlicherweise, denn bisher gings immer direkt hinein ins Ungemach, drehte die Straße dann genau zum hellsten Teil des Himmels weit und breit ab, unter dem das Brezer Joch lag. Die zweite noch zu überquerende Anhöhe zwischen mir und meiner Unterkunft.

Freitag, 1. August 2014

Gewitter? Ich bin hier weg...

Jetzt wollte ich endlich mal eines dieser Täler hochradeln, aber nach etwa 1000Hm Ultental und einen Blick auf den Stausee dreh ich jetzt um. Die Gewitterwolken vor mir wachsen rasant und ich muss noch über den Hügel Richtung Laurein. Und hab absolut Null Lust unter Strom gesetzt zu werden. Gewitter auf dem Rad mag ich fast noch weniger als nasse Füße.

Ach ja... der Kaugummi

Donnerstag, Tag 10: Mals - Stilfserjoch - Naturns (97km/1938Hm)

Gestern habe ich keinen Tropfen Regen abbekommen. Stattdessen hatte das Vinschgau endlich mal wieder sommerliche Temperaturen und Sonnenstrahlen zwischen den Wolken für mich vorgesehen. Da meine Motivation für die Seitentäler irgendwie nicht besonders groß ist, habe ich das gute Wetter gestern genutzt, um das Stilfserjoch nochmal von dieser Seite aus zu fahren. Und die Entscheidung war absolut richtig. Viele Radfahrer, großartige Szenerie, Blicke auf Ortler und die endlosen (48) Kehren. Es macht sogar mit Gepäck Spaß sich langsam hochzuschaukeln. Zum Stilfserjoch scheint sich alles aufgemacht zu haben, was dazu irgendwie in der Lage ist. E-Biker, Alte, Kinder, Schwache, Mountainbiker. Alle da. Vor mir tut sich also ein breites Feld an Opfern auf.

Großer Trubel herrscht oben auf dem Joch, fast wie auf einem Volksfest oder dem Triglav. Auto-, Motorrad- und Radfahrer laufen fröhlich durcheinander und erfreuen sich an Bratwurscht und der Aussicht.

Ich setz mich eine Weile dazu und freu mich daran dass fast alle große Begeisterung zeigen wenn sie, völlig egal ob schnell oder langsam, den höchsten Punkt erreicht haben.

Nach dem Stilfserjoch muss ich leider wieder auf die Staatsstraße. Kein Vergnügen. Aber da ich heute noch ankommen will ist der sicher nette Radwanderweg keine Alternative. Die Fahrt ist auch nicht sehr lang, nach ca. 35km bin ich schon in Naturns. Dort wartet schon die nächste Zeitreise mit Frühstück auf mich, und wieder gehts zurück in die 60/70er (?). Lasse mich gern eines Besseren belehren, aber ich denke seit ich auf der Welt bin sehen die Möbel anders aus. Ist aber wie bisher überall absolut freundlich und ich finds grad lustig so abwechslungsreich wie es sich mal wieder gestaltet.

Vinschgau und Stelvio 2

Mittwoch, 30. Juli 2014

Mittwoch, Tag 9: Scuol - Mals (55km/637Hm) - SPONTANER PAUSETAG

Es hat nicht wirklich den ganzen Tag geregnet, das ist also keine Ausrede. Nur bis zum Reschensee. Da war ich dann halt mal wieder nassgeregnet. In den Seitentälern und um die Gipfel links und rechts hängen Wolken und ich beschließe, nachdem ich die Höhenmetersache sowieso an den Haken gehängt habe, dass heute nur das Rad umgesetzt wird und Pausetag ist. Ein E-Biker-Pärchen hängt mich am M-Preis ab, an dem ich an einem Cappuccino hängen bleibe. Draußen schüttet es und bis in meine Unterkunft sind es sowieso nur dreimal anschubsen und hinabrollen.

Ich fühle mich eigentlich nicht unfit, nur etwas unmotiviert. Das Kaugummi hat funktioniert und macht seinem Namen alle Ehre. Trotzdem suppt das Wasser langsam in die Schuhe und ich kann mich nur wiederholen: durchweichte Füße kann ich nicht ausstehen. Ich hab einfach keine Lust ein nebliges Seitental anzuschauen und mache einen Nachmittagsschlaf. In meiner sagenhaft günstigen Unterkunft, die freundlich, total sauber, hochgradig sympathisch und seit den 60ern unverändert ist.

Auch wenn es hier, wie in den meisten Unterkünften bisher, total nett ist wie die Leute sich Mühe geben, so gut sie eben können, so war doch die interessanteste und bequemste Unterkunft bisher die gestrige: die Jugendherberge in Scuol. Auch wenn das mit der Jugend schon eine Weile gelaufen ist, hat mich das Gebäude interessiert, als ich es gesehen habe. Und tatsächlich, es ist dort nicht nur extrem nett von der Sekunde der Ankunft, sondern auch extrem praktisch. Das Gebäude gerade von innen voll nach meinem Geschmack und bestens durchdacht. Ich kann auch nach 20Uhr noch Wäsche waschen lassen, im 6-Bett-Zimmer mit einer 5-köpfigen radfahrenden Schweizerfamilie schlafe ich besser als in allen vorherigen Nächten und das Frühstück toppt sämtliche bisherigen in Qualität und Auswahl.

Jaaaaa, und so ein Pausetag ist in vielerlei Hinsicht gut. Zum einen freue ich mich wieder richtig, morgen in die Pedale zu treten, und zum anderen soll es morgen endlich etwas besser sein. Noch ist alles grau verhangen, aber das wird schon. Ich glaube fest daran.

Der Inn und Regen


Als ich gestern nach dem Ofenpass in Zernez auf den Inn gestoßen bin, der dort noch ein größerer Bach ist, hab ich mich gefreut, denn es war klar, dass es jetzt nur noch bergab gehen kann, mehr oder weniger. Auch wenn vor mir die nächste Regenfront stand, die man auch auf dem Foto sieht. Zumindest war klar, dass irgendwo da drin die heiße Dusche und ein Dach über dem Kopf warten.

Heute folge ich dem Inn weiter bis Nauders und dann gehts über den Reschenpass nach Mals. Eigentlich hatte ich für gestern und die nächsten Tage Abstecher in Sackgassentäler (S-charl gestern, Matscher Tal heute) geplant, aber wenn dort die Wolken festhängen spare ich mir die Strampelei, bin faul, bleibe im Tal, lege die Füße hoch und pack endlich mal das Kindle aus, wenn die Minimalstrecke absolviert ist.

Sommer

Gestern hab ich alles was auf Sommerwetter ausgelegt ist in ein Paket gepackt und nach Hause geschickt. Vermutlich das teuerste Paket mit fragwürdigem Ausgang das ich je aufgegeben habe. Die freundlichen Menschen in der Post (Zentrum Bormio) waren keiner Fremdsprache mächtig und hatten sicher noch nie ein Paket in ein derart exotisches Land verschickt. Man musste sich ausgiebig besprechen, aber mehrere Mann konnten die schwierige Aufgabe schließlich zu ihrer Zufriedenheit lösen. Am Ende war auf jedenfall ein Strichcode angebracht und in die kleine Rechenmaschine wurde per Hand ein Preis eingegeben. Die Aktion dauerte fast eine Stunde und ich bin wirklich gespannt ob ich meine Sachen jemals wiedersehe. Jetzt gibts an mir und in den Taschen nur noch einen Satz Radklamotten und einen Satz Zivilkleidung.

Teures Paket, andererseits gibt es kaum eine günstigere Art und Weise ein Rad 2kg leichter zu machen.

Extreme Bedingungen erfordern eben extreme Maßnahmen. Mal sehen ob der Kaugummi hält was er verspricht. Mehr dazu später.

Die Spülhandschuhe habe ich übrigens nicht gekauft, weil ich die Zeche abarbeiten muss. Was in der Schweiz Jahre dauern würde und ich hingegen wär gern Montag Abend daheim. Sondern um trockene Finger bei den bitterbitterkalten Regenabfahrten zu behalten. Gestern Stilfser Joch: 6 Grad und Regen.

Die Konkurrenz schläft nicht...

... sondern hat Leuchtjacken an. Ideal bei dem Wetter.

Dienstag, 29. Juli 2014

Dienstagspanoramen

Dienstag, Tag 8: Bormio - Scuol (103km/2639Hm)

Puh war das nass heute. Widerlich. Am Anfang ja nicht, wider Erwarten konnte ich das Stilfser Joch bis zum Abzweig Umbrailpass (d.h. bis ca. 250Hm unterhalb) mehr oder weniger trocken hinaufradeln und hatte sogar Sicht. Das Stilfser Joch war dann in den Wolken und ab da Regen. Mehr oder weniger stark und durchgängig. Hinab ging es durch die Wolken - also ohne etwas zu sehen oder gesehen zu werden - ins Val Müstair, wo dann das Nieseln ein Ende fand und in Schütten überging.

Kurz noch zwei drei Bilder, mehr dann morgen. Heute bin ich in einer Jugendherberge untergekommen und da ist ab 22Uhr Nachtruhe angeordnet. Wunderbar, das nutze ich doch gleich, nachdem ich letzte Nacht schon nicht besonders viel oder gut schlafen konnte.

Höchster Punkt der Tour

Heute hingegen ists einfach nur einheitlich grau und regnet.

Riesige Wolken. So sah es die Tage sehr oft aus.

Was man sehen sollte.

Was man gesehen hat.

Ungefähr so ist die Stimmung. Irgendwie bedrohlich.



Halbzeit-Zwischenbilanz

18.119Hm (sagt die Uhr), 843,68km (sagt der Tacho)

Wettervorhersage: morgen Regen und anschließend weiter durchwachsen.

Schade, denn morgen stehen Stilfser Joch, Umbrailpass und Ofenpass auf dem Programm. Nur wenn man nichts sieht und durch den Regen pedaliert ists leider nicht mehr als ein ungemütliches Training.

Montag, Tag 7: Bergün - Bormio (110km/2492Hm)

Muss schlafen, also nur kurz die heutigen Pässe aufgezählt, die ich weitestgehend trocken überfahren habe. Albula, Bernina, Forcola di Livigno, Passo Eira, Passo Foscagno. Der bislang schönste war dabei der erste: der Albulapass. Hat mir super gefallen. Wenig Verkehr, abwechslungsreiche Landschaft, üppige Blumenwiesen auf der Abfahrt.
Auffahrt zum Albulapass von Bergün aus
Albulapass
Hochebene hinter dem Albulapass
Auffahrt zum Berninapass - leider ohne Sicht auf die hohen Gipfel
Letzter Picknickplatz vor Pass 4 und 5 (und dem Regen)
Letzter Picknickplatz von außen
Livigno
so siehts aus, wenn man vom Regen eingeholt wird
Passo Foscagno, den man wirklich nicht gefahren sein muss